Kurze Texte

World of Sympathy

Let`s imagine a world with shining faces
Where the language is understanding
And Sympathy the basis.

Let us start today
With a friendly word, a little smile
For our nearest, not far away.

This shining place is near.
Our world of Sympathy:
Try to make it here!

Ursula Kropf, Torquay 2003

Frühlingsduft im Lockdown

Als Christine Wyss aus dem Reihenhaus ihrer Eltern auf die Strasse tritt, bewundert sie wie immer die Gärten der Nachbarn und die leicht duftenden Lieblingsrosen. Ein Weg, den sie schon oft gegangen ist. Doch heute ist alles anders. Es fehlen die spielenden Kinder und die Leute, die nach der Arbeit auf einen Schwatz stehen bleiben. Alles ist still. Nur die Glocken der Friedenskirche tönen laut. Vier Glockenschläge lang. Die Worte ihrer Mutter gehen ihr nicht aus dem Kopf. Lass los, Christine.


Sie hat alles perfekt geplant, um sich einen langgehüteten Wunsch zu erfüllen. Mit einem Pop- up Store in der Innenstadt. Sie hat den Mietvertrag geregelt und die Bewilligungen eingeholt. Ihre Freundin Sarah hat sich bereit erklärt, mit ihrer schwungvollen Schrift kleine Holztafeln zu beschriften. Für die Einweihungsfeier haben beide nochmals alles gegeben. Sarah hat Servietten mit Blumennamen verziert und Christine so viele Sträusse gebunden, dass ihr am Abend die Hände wehgetan haben. Und dann der Willkommenskranz! Ihr Schritt wird schneller. Über die fast leere Holzbrücke kommt sie auf die andere Seite der Stadt, und bleibt bei einem unscheinbaren Eingang mit rosa gestrichenen Holzbalken stehen. Ein weisser Wagen mit Blumentöpfen deutet darauf hin, dass sich hinter der etwas schiefen Türe ein Laden mit Blumen und Geschenken verbirgt. Wie lange noch? Christine denkt an die Worte ihrer Mutter. „Herzlich Willkommen“ steht über einem prächtigen Kranz aus Efeu mit getrockneten Blumen und rosafarbenen Perlen. Alle Blumenläden bleiben geschlossen. Der Kranz wird niemanden mehr begrüssen. Er ist der einzige Zeuge aus einer anderen Zeit, die nur wenige Tage her ist. Die Schweiz steht still.

Als Christine in den Laden tritt, erwartet sie ein Frühlingsduft, der von Freesien und anderen Schnittblumen herrührt. Auch die kugeligen, dichten Ranunkeln machen sich gut. Christine lässt den Blick schweifen. Mitten im Raum steht ein Ständer mit Sprüchekärtchen, guten Wünschen für schwierige Zeiten. Zwei zierliche Stühle stehen um einen runden Tisch, auf welchem ein Kästchen mit Schubladen ist. Die Griffe zeigen je ein anderes florales Muster, farbig durchmischt präsentiert. In den Schubladen stecken kleine Geschenkideen, Seifen aus Marseille und Bänder mit Schmetterlingen. Schubladen, die niemand öffnen wird. Wie werden sie die Krise überstehen?

Christines Kopf ist leer. Mit der Gartenschere zerpflückt sie einzelne Blätter, die bald nicht mehr ganz frisch sind. Die Tulpen werden als erstes verblühen. Die Miete werden sie trotzdem zahlen müssen. Tapfer lächelt sie die Tränen weg. Ein ungutes Gefühl bleibt. Niemand weiss, wie es kommt.

Ursula Sommer- Kropf, Olten 2020

La grande chaleur 

Alles ist still. Nur der Hauch eines Windes streift deinen Oberarm. Sobald du einen Schritt vorwärts gehst, schlägt dir Hitze entgegen. Sie umfasst dich, hüllt dich ein. Schärft sie die Sinne? Heisse Luft drückt von allen Seiten, am Rücken entlang an deinen Kopf, du bist nur noch in dir.

Ein kleiner Baumschatten bedeutet Welten. Einmal abgesessen, ist es erträglicher, obwohl der Stein als Sitzgelegenheit komplett aufgeheizt ist. Die Welt findet ihren eigenen Rhythmus. Selbst das Atmen wird langsamer, tiefer, bewusster. Jeder Atemzug entspannt, durchströmt, fliesst, macht dich wieder frei, um geduldig zu ertragen. Weiter geht’s.

Ursula Sommer- Kropf, France 2019